29.09.2003, Zollern-Alb-Kurier
Kein Jammer und kein Jubel
Bilanz: 35 000 Besucher bei Chagall

Gestern schloss die Chagall-Ausstellung in der Balinger Stadthalle ihre Pforten. Die Ausstellungsmacher sind etwas enttäuscht über die schwache Resonanz.

Balingen, 29.09.2003. "Zufrieden kann man nicht sein", führte Stadthallen-Geschäftsführer Ulrich Klinger gestern Abend nach Schließung der Ausstellungs-Pforten aus. Mit 50 000 Zuschauer hatten die Verantwortlichen gerechnet, rund 35 000 Kunstsinnige hatten letztendlich zwischen 21. Juni und 28. September den Weg in die Balinger Stadthalle gefunden.

Klinger nannte auch einige Gründe für die schlechten Besucherzahlen bei der in Fachkreisen hochgelobten Ausstellung. Eine Keramik-Schau sei eben nicht so publikumswirksam wie eine Gemälde-Ausstellung, meinte der Stadthallen-Chef. Die Bilanz der Klee-Ausstellung vor zwei Jahren gibt ihm Recht. Damals schauten sich 90 000 Besucher in Balingen 80 Bilder des Expressionisten an.

Zudem hadert Ulrich Klingler mit dem Jahrhundertsommer. Die potentiell Interessierten entschlossen sich angesichts der tropischen Temperaturen für das Freibad und gegen die Keramiken von Chagall. Die Bilanz des letzten Ausstellungstags stützt die Wetter-These des Stadthallen-Geschäftsführers. Zwar gab es auch gestern keine Besucherschlangen vor den Kassenhäuschen. Trotzdem sahen sich am Abschlusstag 750 Besucher die Ausstellung an - bei Regenwetter. Nur an einem Tag wollten mehr Besucher die ChagallKeramiken anschauen. Bei der langen Nacht der Museen allerdings hatte die Stadthalle vier Stunden länger geöffnet.

Mit dem Tagesdurchschnitt von rund 390 Besucher ist Ulrich Klinger zwar nicht zufrieden. "Die Messlatte lag aber auch verdammt hoch", so der Geschäftsführer. Für ein Museum seien 35 000 Besucher bei einer Ausstellung "enorm hoch" und außerdem seien immerhin mehr Kunstinteressierte zu Chagall gepilgert, als Balingen Einwohner habe, sagte Klingler. Die "Megazahlen" der vergangenen Ausstellungen seien zudem "nicht die Normalität".

Der Stadthallen-Chef will in seiner Analyse auch einen "rückläufigen Boom auf dem bundesdeutschen Kunstmarkt" ausgemacht haben. Gleichzeitig trage die wirtschaftliche Krise in Deutschland zu einer Zurückhaltung auch beim Kunstgenuss bei. Seien bei bei früheren Ausstellungen die Hälfte der Einnahmen über die Eintrittsgelder und die andere Hälfte über den Shop-Verkauf in die Kasse geflossen, so habe sich diese Situation grundlegend geändert. 80 Prozent der Einnahmen resultieren bei der Chagall-Ausstellung aus den Eintrittsgeldern. "Das ist", so Klingler, "ein klarer Indikator für die wirtschaftliche Situation der Bevölkerung".

Ulrich Klinger will trotzdem nicht allzu schwarz malen. Denn immerhin wurde im Rahmen der jetzt beendeten Chagall-Schau eine Schallmauer durchbrochen. Die zahlreichen Balinger Kunstausstellungen wurden von über einer Million Menschen besucht. Deshalb will der Stadthallenchef auch nicht allzu pessimistisch zurück blicken: "Gejammert wird nicht", sagt er, "aber auch nicht jubiliert".
22.08.2003, Zollern-Alb-Kurier
Das Wunder der Provinz
Die millionste Besucherin begrüßt

"Das ist wirklich eine Riesenüberraschung", freute sich Inge Schrader. Gemeinsam mit Ehemann Wolfgang besuchte sie gestern Vormittag die Chagall-Ausstellung in der Stadthalle - und wurde als millionste Besucherin der Balinger Kunstausstellungen mit besonderen Ehren begrüßt.

Balingen, 22.08.2003. Oberbürgermeister Dr. Edmund Merkel, Stadthallenchef Ulrich Klingler und Kurator Dr. Roland Doschka hießen das Ehepaar aus Hinterzarten willkommen, überreichten Blumen, einen Ausstellungskatalog und eine Einladung für das Jahr 2005: im Jubiläumsjahr der Stadt Balingen dürfen Inge und Wolfgang Schrader ein Wochenende im Hotel Stadt Balingen verbringen und haben freien Eintritt in die Kunstausstellung zum 750. Geburtstag der Stadt. Mit welchem Künstler Roland Doschka und die Stadthalle zu diesem besonderen Anlass aufwarten werden, bleibt ein derzeit gut gehütetes Geheimnis.

Inge und Wolfgang Schrader sind nicht zum ersten Mal zu Gast in der Stadthalle. Das kunstinteressierte Rentner-Ehepaar besuchte schon die Monet-Ausstellung und die Chagall-Werkschau im Jahr 1998 und nutzte gestern auch die Gelegenheit, die Stadt und ihre Fußgängerzone kennen zu lernen.

Ganz phänomenal

Eine Million Besucher in 22 Jahren: das erfüllt auch den Oberbürgermeister mit Stolz. "Bei uns hat sich eine phänomenale Sache entwickelt", zeigt sich Dr. Merkel erfreut über das kleine Wunder in der Provinz. Picasso machte den Anfang. Es folgten in einem mittlerweile eingespielten Zwei-Jahres-Rhythmus Künstler wie Monet, Mirot, Renoir, Gaugin, Leger, Matisse, Paul Klee und Chagall. Balingen erwies sich dabei immer wieder den Metropolen ebenbürtig: die Kunstwelt horchte auf, die Kunstfreunde kamen in Scharen: Claude Monet (1992) hält mit 200 000 Ausstellungsgästen den Rekord, die Werkschau zum 100. Geburtstag von Marc Chagall lockte im Jahr 1995 insgesamt 150 000 Besucher an.

Die aktuelle Präsentation mit seinen Keramiken wird diese Zahlen nicht erreichen. Stadthallenchef Ulrich Klingler und Kurator Dr. Roland Doschka sprechen von einer "Sondersituation" durch die ungewöhnlich lang anhaltende Hitzewelle. Die tropischen Temperaturen haben die Lust auf Kunst merklich gebremst - etwas über 20 000 Besucher sind nach zwei Monaten Laufzeit statistisch erfasst. "Wir sind aber nicht unzufrieden", relativiert der Balinger Oberbürgermeister die Erwartungshaltung, denn mit mehr als 50 000 Besuchern habe man nicht gerechnet. Die Troika Merkel-Doschka-Klingler gibt sich optimistisch: die Besucherzahlen steigen und lassen auf einen guten September hoffen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 28. September.
02.10.2001, Zollern-Alb-Kurier
Ab in die Kisten - Klee ade: Nach neun Wochen und 90 000 Besuchern
Balinger Stadthalle verabschiedet 80 Kunstwerke

Klee ade - gestern wurden die 80 Gemälde des Künstlers in der Balinger Stadthalle sorgfältig abgehängt und in Kisten verpackt. Nach neun Wochen und 90 000 Besuchern treten die Kunstwerke wieder ihren Heimweg an.

Balingen, 02.10.2001. Geschäftiges, aber behutsames Treiben herrschte gestern morgen in der Balinger Stadthalle. Spezialisten für Kunsttransporte und Mitarbeiter der Stadthalle nahmen die 80 Klee-Gemälde von den Wänden ab und verstauten sie fachmännisch und mit viel Polstermaterial in hölzernen Transportkisten. Nachdem am Sonntagabend der letzte Besucher die Ausstellung "Paul Klee - Jahre der Meisterschaft 1917-1933" besichtigt hatte, schloss die Exposition nach neun Wochen ihre Türen. Sagenhafte 90 000 Kunstinteressierte zählte Stadthallen-Chef Uli Klingler. 40 000 mehr als ursprünglich erwartet. Wieder einmal hat es das "schwäbische Provinzstädtle" den "Großen" gezeigt. Und in der "Welt" war Anfang September zu lesen: "Das Phänomen Balingen hat einen Namen: Roland Doschka". Einmal mehr hatte das Duo Doschka/Klingler den richtigen Riecher und Professionalität bewiesen. Paul Klee selbst stand seinen Kollegen Picasso oder Chagall in nichts nach. Auch bei ihm pilgerten die Besucher längst nicht mehr nur aus dem deutschsprachigen In- und Ausland in die Eyachstadt. "Zweifellos übte die Einmaligkeit der Kunstschau eine große Anziehungskraft aus", erklären sich die Veranstalter den Erfolg. Einmalig deshalb, da der Großteil der wichtigsten Klee-Werke in der Balinger Stadt- und Kunsthalle zusammengetragen werden konnte. Zusammengetragen aus den Sammlungen Rosengart aus Luzern, Heinz Berggruen aus Berlin, der Klee-Stiftung in Bern und aus Privatbesitz. Und da die Sammlung Rosengart und die Werke der Klee-Stiftung ab kommendem Jahr ihre festen Plätze in eigenen Museen in Luzern und Bern bekommen sollen, wird die Balinger Klee-Ausstellung möglicherweise die letzte in dieser Auswahl und von dieser Qualität gewesen sein. Nicht zuletzt freut sich Uli Klingler natürlich auch über die finanziellen Schäfchen, die da jetzt im Trockenen grasen. "Immerhin ist so ein außergewöhnliches Kunstengagement immer mit einem hohen finanziellen Risiko verbunden", erklärt der Stadthallenchef und betont: "Und wie immer ohne Inanspruchnahme öffentlicher Gelder." Allein für die Versicherung der 80 Gemälde mussten 200 000 Mark aufgebracht werden.
28.07.2001, Zollern-Alb-Kurier
Kunstwelt "be-wundert" Paul Klee
Wirtschaftsmedaile des Landes für Dr. Roland Doschka

Wirtschaftsminister Dr. Walter Döring eröffnete gestern Abend die Paul Klee Ausstellung in der Balinger Stadthalle. Und er hatte eine Überraschung im Gepäck: Die Landeswirtschaftsmedaille für Dr. Roland Doschka.

Balingen, 28.07.2001. "Wir sind stolz auf Balingen", betonte Dr. Walter Döring gestern abend vor rund 1000 Gästen im Hof der Balinger Stadthalle. "Denn das was diese Stadt leistet, macht Baden- Württemberg so sympathisch", erklärte er. Und weil eine solche, in Kunstkreisen äußerst geschätzte Bilderschau auch ein wichtiger "weicher Standortfaktor" für die Wirtschaft sei, überreichte er dem "Macher" und Ausstellungskurator Dr. Roland Doschka die Landeswirtschaftsmedaille. Dieser, sichtlich erfreut über die Auszeichnung, bedankte sich bei allen, die die Ausstellung ermöglicht haben. Allen voran bei Angela Rosengart aus Luzern für ihren "unglaublich nachhaltigen Einfluss" und ihre Unterstützung. Er lud in seiner kurzen Einführung ein zum Bummel durch eine "museale Ausstellung allererster Rangordnung", zum "Zwiegespräch mit Paul Klee, zur innigen Zweisprache mit der Natur." Er lobte Klee, der "nicht Leichtigkeit und Transparenz", aber auch nicht "bombastische Schwere" verkörpere, sondern die "schwebenden Farben und Formen" bevorzuge - und ganz wichtig: "Still muss es sein."

Das größte Lob galt jedoch nicht mehr dem "letzten großen Maler der Romantik", sondern der Eyachstadt: "Klee in seiner Meisterklasse in einer schwäbischen Kleinstadt - man darf sich wundern", unterstrich Doschka, und "man darf es be-wundern."
25.09.2000, Zollern-Alb-Kurier
Picasso ade, willkommen Paul Klee
Zum Abschluss nochmals Schlange vor Stadthalle
- rund 120.000 Besucher seit 22. Juni.

Die Balinger Kunstfreunde zerdrückten gestern einige Tränchen. Die Picasso- Ausstellung in der Stadthalle öffnete letztmals ihre Pforten.

Balingen, 25.09.2000. Die Tränchen allerdings trockneten sehr schnell wieder. Denn die Picasso-Ausstellung war überaus erfolgreich. Stadthallen-Chef Ulrich Klinger zeigte sich gestern im Gespräch mit dem ZOLLERN-ALB-KURIER sehr erfreut über die riesige Resonanz, auf die der Balinger Picasso bundesweit gestoßen ist.

Rund 120.000 Besucher fanden vom 22. Juni bis gestern den Weg in die Stadthalle. Gerechnet haben die Ausstellungs-Verantwortlichen mit 100 000 verkauften Eintritts- karten. Klinglers Fazit: "Ich bin sehr zufrieden mit dem Verlauf der Ausstellung".

Die letzte Chance, die viel gerühmte Balinger Picasso-Ausstellung zu besuchen, nutzten gestern noch einmal weit über 2.000 Kunstinteressierte. Schon zur Mittagszeit bildete sich eine lange Schlange vor der Stadthalle. Den ganzen Tag über war der Andrang auf die 160 Werke des spanischen Künstlers riesengroß. Ulrich Klingler zeigte sich äußerst zufrieden: "Das war ein Super-Tag".

Die Ausstellung legte einen fulminanten Endspurt hin. Allein in den letzten zehn Tagen sahen rund 20.000 Besucher aus ganz Europa die Werksauswahl des großen Malers, die von Balingens Austellungskurator Dr. Roland Doschka konzipiert worden war und in dieser Zusammenstellung nie wieder zu sehen sein wird.

Kaum ist Picasso vorbei, dürfen sich die Kunstfreunde schon auf einen neuen Stern an Balingens Ausstellungshimmel freuen. Im kommenden Jahr werden vom 28. Juli bis zum 30. September rund 100 Werke von Paul Klee (1879 bis 1940) aus der Sammlung Rosengart/ Berggrün in der Stadthalle zu sehen sein. Mit Klee hat man in Balingen auch einen Zusammenhang zur diesjährigen Picasso-Ausstellung geschaffen. Denn der in der Schweiz geborene Künstler erhielt bei seinem Paris-Aufenthalt 1912 Anregungen von Rousseau, Delaunay und eben Picasso.

120.000 Besucher, 20.000 mehr als erwartet: Die Veranstalter sind überglücklich. Die eigene Rekordmarke allerdings hat man auch in diesem Jahr weit verfehlt. Denn zur Monet-Ausstellung kamen in einer kürzeren Ausstellungszeit rund 200.000 Besucher in die Eyachstadt. Doch das stört die Balinger Ausstellungsmacher nun ganz und gar nicht.
17.08.2000, Zollern-Alb-Kurier
Kultursommer: Balingen glänzt stilvoll
Auch Amerikaner und Franzosen kommen und sind begeistert.

Balingen hat's. Stimmt, finden auch viele Touristen, die sich momentan in der Stadt tummeln. Der Balinger Kultursommer lockt Reisende aus dem In- und Aus- land. Das freut auch die Händler, Restraurant- und Hotelbesitzer. Übernachtet wird in der Eyach-Metropole allerdings nur eine Nacht lang.

Balingen, 17.08.2000. Magnetisch ziehen sie an, die Balinger Kulturperlen. Zeitungen, Fernseh- und Radiosender aus der ganzen Republik berichten darüber, überschlagen sich förmlich vor Lob. Stadthallenchef Uli Klingler hat schon den ersten Leitz-Ordner voller Presseberichte.

Die positive Berichterstattung wirkt, Kunstbegeisterte aus dem In- und Ausland folgen der Spur in die Eyachstadt. Ob Picasso-Ausstellung in der Stadthalle, Tappisserien in der Zehntscheuer, Schaufenster-Galerie in den Geschäften, Statuen in der Friedrich- straße oder Rathaus Galerie, in der Stadt scheinen die Fans wie in einem Kunst-Frei- zeitpark auf ihre Kosten zu kommen.

Hauptattraktion ist die Picasso- Ausstellung in der Stadthalle. 162 Arbeiten werden aus- gestellt und da ist "die Nachfrage nach Erläuterungen enorm", erklärt Stadthallenchef Uli Klingler. Er spricht von einem neuen Rekord bei den Führungen. Seit Beginn der Schau Ende Juni wurden insgesamt 1 200 Führungen gebucht, die zehn öffentlichen Er- klärungsrunden pro Woche sind meist ausgebucht.

Gut angenommen wird auch die Kombikarte, die zum Eintritt in die Stadthalle und die Zehntscheuer berechtigt. Die monumentalen Bildteppiche namens "Tapisserien" wirken beeindruckend auf die Besucher. "Die Leute sind alle begeistert", berichtet eine Ange- stellte. Die Zehntscheuer mit ihren hohen Räumen sei wie geschaffen für eine Ausstel- lung mit derart großen Exponaten.

Nach dem Verlassen der Zehnt- scheuer überqueren viele Besucher dann die Straße und gehen schnurstracks ins Rathaus. Die dort ausgestellten Plastiken von Guido Messer "kommen sehr gut an", sagt Herbert Reuß, stellvertretender Chef des Schul-, Kultur- und Sportamtes.

Auf den Fluren des Rathauses seien derzeit viele Auswärtige anzutreffen. "Wir hatten auch Gäste aus Frankreich, die begeistert waren", berichtet Reuß, der zufrieden ist mit der Resonanz. Insgesamt zweieinhalb tausend Besucher bisher, sonntags weit über 100, das ist "sehr gut" im Vergleich mit anderen Rathaus-Galerie-Ausstellungen. "Aller- dings haben wir durch den Balinger Kultursommer gerade auch mehr Besucher in der Stadt", schränkt Reuß ein.

Und so ein Besuch macht natürlich auch hungrig. Bäckereien und Metzgereien merken das gleichermaßen. "Der Sprache nach waren viele Fremde da", beschreibt eine Bäckersfrau ihre Beobachtungen. "Im Restaurant merken wir ganz deutlich, dass viele Fremde und Kunstfreaks in der Stadt sind", sagt Margarete Lang-Murmann vom Hotel- Restaurant Lang.

Übernachtet wird vor allem am Wochenende, da habe sich das Geschäft mit den Dop- pelzimmern verdoppelt, berichtet Carsten Czarnetzki vom Hotel Hamann. Er führt die steigenden Übernachtungszahlen auf die Picasso-Ausstellung zurück. Einziger Wer- mutstropfen: Die Gäste bleiben nur eine Nacht.

Und selbst beim Einkaufsbummel ist noch lange nicht Schluss mit Kunst: Die Schau- fenster-Galerie bildet oft das geschmackvolle Dessert, nach einem opulenten Kultur- mahl. HGV-Vorsitzende Lydia Gess hat festgestellt, dass der Verkauf anzieht. Sie ist stolz, dass rund 30 Geschäfte mitmachen bei der Schaufenster- Galerie und Werke von Künstlern in ihren Verkaufsräumen und Vitrinen ausstellen. "Das lockt die Leute", sagt sie und fügt zufrieden hinzu: "Dann schauen sie sich auch die Ware an und nehmen gerne etwas mit."

Wer genug von Kunst- und Kultur hat, der wendet sich dem schnöden Mammon zu und schaut nach Schnäppchen in den Geschäften. Bummeln zum Abschalten, das führt zu mehr Laufkundschaft, bestätigen Angestellte in Geschäften an der Friedrichstraße. Und die Auswärtigen würden auch kaufen, besonders wenn es sich um Schnäppchen handele. Sogar Amerikaner seien schon gekommen, berichtet eine Mitarbeiterin stolz.

Angesichts der vielen fremden Auto-Kennzeichen die derzeit auf den Straßen und Park- plätzen zu sehen sind, möchte man fragen: "Balinger, wo seid Ihr?" Das Stadtbild hat sich geändert: Auf dem Marktplatz und der Einkaufsmeile Friedrichsstraße flanieren Menschen, die sich in fremden Sprachen oder Dialekten unterhalten. Wer nach dem Weg fragt, bekommt meist die Antwort: "Wir sind auch nicht von hier."

Mit dem Balinger Kultursommer ist der Stadt offensichtlich mal wieder gelungen, was als ein Wunder der Provinz bezeichnet werden könnte: Aus dem Schatten des länd- lichen Raums heraus zu treten und Stil zu zeigen.
30.06.2000, Zollern-Alb-Kurier
Kleine Wunder in der Provinz - PICASSO-SCHAU

Die Rede des Berliner Picasso-Leihgebers Heinz Berggruen zur Eröffnung der Balinger Ausstellung wird in die Geschichte eingehen.

Balingen, 30.06.2000. Dies hatte Kurator Roland Doschka bereits im Vorfeld der Aus- stellung angekündigt. Gestern hatte die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) die gesamte Festrede, die der Picasso-Sammler und Zeitgenosse vor dem Balinger Publikum am vergangenen Mittwoch gehalten hatte, unter dem Titel "Man kann der Natur nicht widerstehen" im vollen Wortlaut abgedruckt.

"Seitenhoch und nur über Balingen", freut es Stadthallenchef Uli Klingler ganz besonders. In ihrer Einleitung schreibt die FAZ: "Alle starren auf die Metropolen, doch die kleinen Wunder ereignen sich in der Provinz".
24.06.2000, Schwarzwälder Bote
Die Kunstwelt staunt

Balingen, 24.06.2000. Dass die Picasso-Ausstellung, die am Mittwochabend feierlich eröffnet wurde, eine Bilderschau von Weltformat ist, das weiß inzwischen jeder. Die weltumspannende Internationalität ist in den vergangenen Tagen richtig greifbar ge- worden. Dort gaben sich die Kuriere, Museumsdirektoren und Leihgeber, die ihre Bilder in dezenten Holzkisten ablieferten, die Klinke in die Hand. So weilten nicht nur die Direktoren des Mie Prefectural Art Museum aus Japen, die Herren Tanaka und Yamane, in Balingen, sondern auch keine Geringere als die Kuratorin des Metropolitan Museum of Art aus New York.
Für die Balinger Ausstellungsmacher besonders erfreulich war das Urteil aus dem Munde der weit gereisten Kunstexperten. So habe sich die Dame aus New York regelrecht fassungslos gezeigt angesichts der Qualität der Balinger Bilderschau, berichtet Stadthallendirektor Uli Klingler. Sie habe kaum begreifen können, dass "eine solche Weltausstellung in einer Kleinstadt wie Balingen präsentiert wird." Kein Wunder, dass Ausstellungskurator Dr. Roland Doschka von "einem schönen Tag in meinem Leben" spricht. Für ihn sin die Lorbeeren aud den Kunstmetropolen eine schöne Würdigung seines "Lebenswerkes", als das er die Picasso-Ausstellung immer wieder bezwichnet.
28.08.2008